Tellerrand

Biersommelier Sophia Wenzel: Kein Fan von Fernsehbier

Sarah Krecker
Sophia Wenzel ist Biersommelier seit vier Jahren
Biersommelier Sophia Wenzel in ihrem Element: Bierverkostung mit LECKER.de im Hamburger Beyond Beer-Store

Professionell Bier trinken. Für viele ein Traum. Sophia Wenzel lebt ihn. Die Hamburgerin ist seit vier Jahren Biersommelier, und damit eine der wenigen Frauen in diesem Beruf. Im Interview spricht die 27-Jährige über ihren Werdegang, ihre Aufgaben und ihre Lieblingsbiere.

LECKER.de: Was ist die erste Reaktion, wenn Leute deine Berufsbezeichnung hören?

Sophia Wenzel: "Hä? Was machst du?" Viele haben das Wort Biersommelier noch nie gehört. Wenn ich meinen Job dann erkläre, reagieren die Leute extrem positiv. Bier verbinden die meisten mit Spaß.

Was sind genau deine Aufgaben?

Sophia: Trinken und Spaß haben. (lacht) Nein, nicht nur. Meine Hauptaufgabe ist es, sich mit dem Biermarkt zu beschäftigen. Ich teste neue Produkte und spreche mit den Bierbrauern. Außerdem verstehe ich mich als Person, die über das Thema aufklärt, sowohl Gäste in einem Restaurant als auch Gastronomen. Ich schlage unter anderem Biere für die Speisekarte vor und suche Biere passend zum Essen aus.

Woher weißt du, welches Bier zu welchem Essen passt?

Sophia: Das sind Erfahrungswerte. Wenn du zum Beispiel Ziegenkäse mit roten Beeren isst, würde ich dazu ein Bier empfehlen, das nach Beeren schmeckt oder riecht. Gleiches mit Gleichem, das passt gut zusammen. Andersherum können sich auch Gegensätze anziehen. Generell sollte das Bier aber nicht kräftiger sein als das Essen. Außerdem sollte auf die Reihenfolge geachtet werden. Es empfiehlt sich, bei einem Menü mit dem leichteren Bier anzufangen. Da sich Hopfenöle auf die Zunge legen, wird es mit der Zeit schwieriger, leichte Bierstile wahrzunehmen. Zwischendurch Zitronensorbet zu essen, neutralisiert übrigens die Zunge.

Wie bist du Biersommelier geworden?

Sophia: Eher durch Zufall. Ich bin gelernte Gastronomin und habe in der Bullerei von Tim Mälzer gearbeitet. Darüber habe ich seinen Geschäftspartner Patrick Rüther kennengelernt. Er wollte ein Braugasthaus auf norddeutsche Art eröffnen, das heutige Alte Mädchen. Schon vor der Eröffnung 2013 kamen wir darüber ins Gespräch, und so war ich früh Teil des Teams, als Barchefin und Biersommelier. Das war eine spannende Zeit. Denn wir wussten wenig über das Thema. Wie unterscheidet man gutes von schlechtem Bier? Wieso gibt es überhaupt so viele Sorten? Ich besuchte die Doemens Academy, um all das zu lernen. Das ist fast vier Jahre her. Heute besitze ich ein Diplom und beschäftige mich nur noch mit Bier.

Lesevergnügen für Biersommeliers: "Hop & Barley" ist eine der wenigen Magazine, die sich ganz dem Craft Beer widmen

Wie muss man sich die Ausbildung vorstellen?

Sophia: Sie geht nicht über Jahre. Es ist ein intensiver Zwei-Wochen-Kurs, angedacht als Zusatzausbildung für Brauer, die mehr zum Thema Geschmack wissen möchten. Wir haben Klausuren geschrieben und jeden Abend Hausaufgaben gemacht. Ganz brav also. Kein Gelage. (lächelt)

Reizt es dich, auch mal Bier selber zu brauen?

Auf jeden Fall. Ich durfte sogar ein paar Mal Bier brauen, zum Beispiel mit dem Braumeister Ian Pyle von Ratsherrn und mit der Brauerei Maisel für das Geburtstagsbier des Alten Mädchens. Ansonsten probiere ich mich privat aus mit der Braubox von den Besserbrauern. Das ist spannend, auch um das Thema besser zu verstehen.

Schlürfen und wieder ausspucken – so sieht eine Weinverkostung aus. Wie verhält sich das beim professionellen Biertrinken?

Sophia: Bier muss getrunken werden. Der Hopfen besitzt eine eher herbe Note, die am besten im hinteren Rachenraum zu schmecken ist. Wenn ich das Bier ausspucken würde, könnte ich das Aroma nicht so gut wahrnehmen. Die weit geöffneten Gläser bei der Verkostung helfen dabei, die ganze Zunge zu fluten. Bei der klassischen Bierverkostung werden zudem Farbe und Duft bewertet. Gerade liegen ungefilterte Biere im Trend. Sie sehen trüb aus, was ein Qualitätsmerkmal ist. Das ist die Hefe, die darin schwimmt. Sie enthält viele Aromen und verströmt einen angenehmen Duft.

Wie erklärst du dir das neu erwachte Interesse an Bier im Allgemeinen und den Hype um Craft Beer im Besonderen?

Sophia: Der Food-Markt hat sich im Zuge von Skandalen und Bewegungen wie Slow Food und Urban Gardening verändert. Die Menschen achten wieder verstärkt auf Regionalität und Herkunft, ob bei Nahrungsmitteln, Kleidung oder eben Bier. Sie sind zudem offener und neugieriger gegenüber Neuheiten. In der Stadt wird der Craft Beer-Trend stark angenommen, auf dem Lande weniger. Das erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit den Brauern.

Flying Dog aus den USA ist Sophia Wenzels Lieblingsmarke

Was gefällt dir an Craft Beer?

Sophia: Craft Beer zeigt, was alles möglich ist. Bier ist ein saisonales, regionales und vielseitiges Produkt, in dem auch Kräuter, Zitrusfrüchte oder wie beim Oyster Strout sogar Austern verarbeitet werden können. In Deutschland sind wir ein bisschen auf unserem traditionellen Braustil "hängengeblieben". Ein Pils, ein Helles, ein Weizen, vielleicht auch mal ein Rauchbier - das war es dann schon.

Becks, Erdinger und Co. kommen dir also nicht ins Haus?

Sophia: Das sind für mich Fernsehbiere, die auf Masse hergestellt sind, weniger auf Qualität. In meine Welt gehören sie nicht hinein. Ich habe ein anderes Geschmacksempfinden. Doch das soll kein Maßstab sein. Was für mich normal ist, gilt für andere als verrückt.

Welches Bier empfiehlst du gerade?

Sophia: Passend zur Jahreszeit empfehle ich ein Pumpkin Ale. Das wird traditionell im Herbst gebraut. Dabei wird der Kürbis mit aufgekocht und entfaltet so sein natürliches Aroma im Bier.

Immer wieder heißt es, Bier sei kein Frauengetränk. Teilst du diese Beobachtung?

Sophia: Es ist ein Klischee, das ich leider beobachte. Ich denke, das liegt daran, dass Frauen von Kindesalter an andere Dinge gelehrt bekommen als Männer. Du kriegst eher eine Barbie geschenkt als einen Fußball. Und so ähnlich ist es beim Geschmack. Herbere Sachen, die die Mutter schon nicht mochte, trinkt die Tochter vielleicht auch nicht, weil ihr gesagt wird: "Das ist bitter. Das magst du bestimmt nicht."

Bist du als weiblicher Biersommelier ein Rebell in deiner Familie?

Sophia: Ich habe das Glück, dass meine Familie offen ist. Meine Großeltern besitzen einen großen Garten und tischten schon immer verschiedene Geschmäcker wie Fenchel, Kohlrabi und Sellerie auf. Ich sollte immer erst probieren, bevor ich mich entscheide, ob ich etwas mag oder nicht. Den ersten Bierschaum habe ich von meinem Opa gekostet.

Du hast dich vor Kurzem als Biersommelier selbstständig gemacht. Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Sophia: Nach dem Craft Beer-Monat für Foodist gestalte ich aktuell Inhalte für eine Bierschulung. Dabei arbeite ich mit Jörg Iversen und Kathy Gabelden von den Besserbrauern zusammen. Ansonsten unterstütze ich weiter Händler und Gastronomen bei ihrer Bierauswahl, bin auf Messen unterwegs und für Vorträge zu buchen.

Bier beiseite: Welche hochprozentigen Getränke bestellst du am liebsten an der Bar?

Sophia: Das sind drei: Champagner, Wodka Soda oder ein Glas Wein.

Danke für das Interview

Umweltschädlich, aber gut für den Geschmack: Dosen schützen das Bier vor der Sonne und damit vor Aromenverlust
Kategorie & Tags

Anzeige

LECKER empfiehlt

Müllers Mühle Kartoffel-Linsensalat
Linsen, Kicher- erbsen und Co.

Rezepte, Tipps und neue Ideen mit Hülsenfrüchten.

Friki Weihnachtsgewinnspiel
Adventsmenü gewinnen

Alle Zutaten und Rezepte für vier festliche Gänge.

Lebensmittel bequem online Einkaufen
Online Super- markt im Test

So einfach ist der Lebenmitteleinkauf im Netz.

Zimt-Plätzchen mit Schokofüllung
Brunch mit Freunden

Rezepte für Süßes und Herzhaftes sowie tolle Dekoideen.

Mutti kocht am besten Online

LECKER Magazin

LECKER bei WhatsApp

LECKER Adventskalender 2016
LECKER Scouts - jetzt anmelden und testen!
 
 

LECKER Community - Jetzt anmelden

 

LECKER Abo mit Prämie

Hier geht's zum Abo >>

Vielen Dank, dass dir unsere Rezepte und Artikel auf
www.LECKER.de gefallen.
Wir freuen uns auf deinen nächsten Besuch!
Copyright 2015 LECKER.de. All rights reserved