Mit Laktoseintoleranz leben - Ernährungsexperte Professor Dr. Dr. Stein im Interview

Mit Laktoseintoleranz leben - Ernährungsexperte Professor Dr. Dr. Stein im Interview - prof_stein
Professor Dr. Dr. Jürgen Stein forscht und lehrt an der Goethe-Universität Frankfurt/Main.

Der Facharzt für Gastroenterologie und Ernährungswissenschaftler weiß, dass sich Laktoseintoleranz nicht heilen lässt. Er weiß aber auch, dass es keine Alternative ist, auf Milchprodukte zu verzichten. Hier erklärt er, wie Sie es schaffen, sich trotz Laktoseintoleranz ausgewogen zu ernähren.

Laktose-Intoleranz ist nicht heilbar. Muss ich mein Leben lang auf Milchprodukte verzichten?
Nein, auf keinen Fall! Denn diese sind nicht nur lecker, sondern auch wichtige Lieferanten für Calcium, Vitamin D und Zink. Andererseits gilt es natürlich, die Laktosemenge in der Nahrung so weit wie möglich zu begrenzen. Optimal sind deswegen laktosefreie Milchprodukte. Doch auch normale Milchprodukte enthalten nicht alle gleich viel Laktose. So kann es zum Beispiel sein, dass Milch Bauchschmerzen auslöst, Käse aber problemlos vertragen wird. Die tolerierbare Laktosemenge muss jeder Betroffene für sich selbst herausfinden.

Und wie geht das?
Nach der Diagnose Laktoseintoleranz sollten Sie für vier bis sechs Wochen ganz auf Milchzucker verzichten – bis Sie beschwerdefrei sind. Dann nehmen Sie nach und nach bestimmte Milchprodukte und andere laktosehaltige Lebensmittel wieder hinzu. Wichtig dabei ist das Führen eines Ernährungstagebuchs, in dem Sie genau vermerken, wann Sie was gegessen haben, wie viel Laktose enthalten war und wann welche Beschwerden aufgetreten sind.

Nun steckt Milchzucker ja nicht nur in Milchprodukten ...
Das stimmt. Die Tomatensoße beim Italiener kann ebenso Laktose enthalten wie Gebäck, Instantsoßen, -suppen und -kartoffelpüree, Wurstwaren und Fertiggerichte. Da hilft nur eines: Nachfragen! Erkundigen Sie sich im Restaurant, ob Milch, Butter, Sahne oder andere Milchbestandteile enthalten sind – oder Fertigsoßen verwendet werden. Durchforsten Sie das Kleingedruckte auf Verpackungen. Denn seit 2005 müssen häufige Allergieauslöser entweder im Produktnamen, in der Zutatenliste oder durch gesonderte Hinweise auf der Verpackung gekennzeichnet werden. Und zu diesen Allergieauslösern gehört auch Milch bzw. Laktose – obgleich eine Laktoseintoleranz natürlich keine Allergie ist.

Immer mehr Cafés bieten Kaffeespezialitäten auf Sojabasis an. Ist Sojamilch eine Alternative?
Für den schnellen Kaffee zwischendurch: ja. Auf Dauer: nein. Denn Sojamilch enthält, wenn es nicht gesondert zugesetzt wird, weder Calcium noch Vitamin D. Beide sind aber unerlässlich für unsere Gesundheit – zum Beispiel im Kampf gegen Knochenschwund und zur Vorbeugung von Knochenbrüchen, für gesundes Wachstum und sogar zur Vorbeugung von Krebserkrankungen.

Es gibt Laktase-Präparate, mit denen man ganz normal essen können soll. Was ist von diesen zu halten?
Diese Mittel müssen unmittelbar vor der Mahlzeit eingenommen und optimal dosiert werden. Und hier liegt das Problem: Nehmen Sie danach zu wenig Laktose auf, bekommen Sie möglicherweise Bauchschmerzen durch die Tabletten, essen Sie zu viel, durch die unverdaute Laktose. Deswegen sind solche Präparate ein Segen für besondere Anlässe wie Einladungen oder Familienfeiern. Im Alltag sollten Sie lieber die Laktosemenge so begrenzen, dass auch ohne Pillen keine Beschwerden auftreten.

Kann Laktoseintoleranz auch wieder weggehen?
Ja, aber nur, wenn die Ursache nicht der Laktasemangel an sich, sondern eine Krankheit ist. Eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Zöliakie, eine Unverträglichkeit gegen Weizenkleber, können die Schleimhaut des Dünndarms so stark schädigen, dass sie keine Laktase mehr herstellen kann. Man spricht dabei von einem sekundären Laktasemangel. Wird die Grunderkrankung behandelt, erholt sich der Darm und die Laktaseproduktion läuft im Idealfall wieder an. Die primäre Laktoseintoleranz, also der genetisch bedingte Rückgang der Enzymproduktion, wird im Alter oft eher noch stärker.

Stimmt es, dass auch einige Medikamente Laktose enthalten?
Ja. Lesen Sie sich die Packung und den Beipackzettel durch, dort findet sich der Hinweis "enthält Laktose" oder eben "frei von Laktose". Außerdem ist die Milchzuckermenge in so einer Tablette natürlich sehr klein, so dass nur extrem Empfindliche davon Beschwerden bekommen.

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