Tellerrand

Frau Ziii über Wiener Schnitzel und Wiener Schmäh

Susanne Zimmel und ihre Familie
Frau Ziii und ihre Familie, die sie auf dem Blog als Herr Ziii und Fräulein Ziii vorstellt, Foto: Susanne Zimmel

"Ziii kocht…was" - das ist nicht nur Motto, sondern auch Programm von Food-Bloggerin und Kochbuchautorin Susanne Zimmel aus Wien. Unter dem Pseudonym Frau Ziii kocht sie sich durch die Wiener Küche. Dabei stehen neben Tafelspitz und Wiener Schnitzel auch Cherry Pie, Tomatenpasta oder Süßkartoffeltajine auf dem Speiseplan.

Die Rezepte, so unterschiedlich sie sein mögen, sind vor allem eins: rustikal, lecker und meistens auch einfach. Ein optimales Verhältnis von Aufwand und Nutzen ist ihr wichtig. Natürlich probiert sie sich auch mal an etwas komplizierteren Gerichten. Trotzdem will Susanne Zimmel dabei auf Augenhöhe mit ihren Lesern kochen, da sie selbst auch keine gelernte Köchin ist. Das Konzept funktioniert – 2012 sahnte Ziiikocht den AMA Food Blog Award ab.

Susanne Zimmel legt Wert auf qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel. Trotzdem sind auch herzhafte und süße Sünden erlaubt. Die schmecken nicht nur, sie sehen auch noch erstklassig aus. Nicht verwunderlich, da Frau Ziii auch professionelle Food-Fotografin ist. Das kann sich – im wahrsten Sinne des Wortes – sehen lassen.

Wer kocht schon gern alleine? Eben. Darum werden auch mal Ehemann Herr Ziii und Tochter Fräulein Ziii an den Herd gebeten. Wenn die beiden nicht selbst aktiv sind, tauchen sie in einer der lustigen Geschichten rund um die Rezepte auf. Zum Beispiel, wenn Herr Ziii seiner Frau einfach die Birnen für ihr Radiccio-Blauschmimmelkäse-Gericht wegisst. Dann wird der Empörung darüber mit typischen Wiener Schmäh Luft gemacht. Auch die ersten Versuche von ihrer Tochter sind herrlich witzig unter "Das Fräulein lernt kochen" dokumentiert.

Gedeckter Kirschkuchen
Neben kochen kann Frau Ziii auch richtig gut backen, Foto: Susanne Zimmel

Wie kamst du zum Bloggen?

 Eigentlich habe ich begonnen einen Blog zu schreiben, weil wir unser Haus umgebaut haben. Ich wollte alles für die Familie festhalten. Es gab Rubriken wie "Bau", "Aktuelles" und eben auch "Kochen und Essen". Nach ein paar Monaten habe ich festgestellt, dass die einzige Rubrik, die ich ständig neu befülle "Kochen und Essen" ist. Daraus hat sich der Food-Blog entwickelt. Es war also eher ein Zufall.

Wie war es für dich, zu bemerken, dass der Blog plötzlich erfolgreich ist?

Das war ganz eigen. Ich wollte den Blog anfänglich anonym schreiben. Darum auch "Frau Ziii", die eine Kunstfigur werden sollte. Als ich ich 2012 den AMA Food-Blog Award gewonnen habe, konnte ich mich nicht mehr hinter ihr verstecken. Jetzt ist es für mich eine echt spannende Entwicklung - ich hätte nicht gedacht, dass es so gut ankommt. Ich schreibe Artikel, schicke sie raus in die weite Welt und sehe am Blog von wie vielen Leuten es gelesen wird. Aber ich sehe die Leute dahinter ja nicht.

Deine Leser scheinen ja besonders von den Themen rund um Wien angetan zu sein. Was ist das Besondere an der Wiener Küche?

Ich bin mit dieser Küche aufgewachsen. Zwar nicht direkt in Wien, aber ich verbinde sie mit meiner Kindheit. Die Wiener Küche besticht durch ihre Mehlspeisen: Buchteln, Palatschinken oder Kaiserschmarrn gehören einfach dazu. Ansonsten gibt es viel Fleisch wie Wiener Schnitzel  oder Tafelspitz. Als ich mein Kochbuch " Wiener Küche: Wirtshausgulasch & Topfenpalatschinken - Klassiker und neue Inspirationen" geschrieben habe, hatte ich echt Probleme vegetarische Gerichte zu finden.

Dutch Babe mit karamellisierten Birnen
Palatschinken in der "Dutch Babe"-Variante - so wird die Wiener Küche modern, Foto: Susanne Zimmel

Dein Blog wirkt frech und jung. Das passt nicht wirklich zur alteingesessen Wiener Küche...

Unsere Küche ist mit vielen Klischees behaftet, die jeder im Reiseführer  nachlesen kann: Kaiserschmarrn, Fiaker und Stephansdom. Ich versuche das antiquierte Image entstauben, indem ich die Gerichte in einen modernen Kontext setze. Darum koche ich neue Varianten und richte das Essen zeitgemäß an. Die Küche wird ja nicht nur von alten Leuten gegessen! Darum nutze ich den Blog oder Facebook, um so jüngere Leser für die Wiener Küche zu begeistern.

Welches Gericht bedeutet für dich Wien?

Ein guter, feiner Teller Suppe! Aber ich esse auch gerne – total klischeehaft – Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn.

Klare Hühnersuppe mit ganzem Hühnchen
Trick: Eierschale mit in die Suppe geben - so bleibt die Brühe klar, Foto: Susanne Zimmel

Von wem hast du Kochen gelernt?

Das was ich gelernt habe, kommt alles von meiner Großmutter. Dort war ich viel in meiner Kindheit, da meine Mutter selbst noch sehr jung war, eine Teenager-Mum, sozusagen. Ich stand in der großen Wohnküche und habe mit meiner Großmutter gekocht. Meine Mutter ist eine Anti-Köchin. Sie kann nicht kochen und will es auch gar nicht. SIe holt sich jetzt eher Kochtipps bei mir.

Woher nimmst du deine Inspirationen für neue Gerichte?

Ich hole mir die meiste Inspiration auf dem Markt, da ich gerne regionale und saisonale Produkte verwende. Ich schaue einfach, was es da Neues gibt – so gehen mir die Ideen nie aus. Außerdem lese ich gerne englischsprachige Food-Blogs.

Kaufst du dann auch nicht nur regional, sondern auch Bio ein?

Ja, das ist ein Thema auf meinem Blog. Vor allem bei Fleisch greife ich auf Bio-Angebote zurück. Mir ist es wichtig, sorgsam mit Lebensmitteln umzugehen. Darum finde ich Märkte so toll. Hier gibt es Saisonales, Regionales und oft auch biologische Angebote. Und: Durch den Boom, sich gesund und vielfältig zu ernähren, entdecke ich hier Sachen, die es im Supermarkt gar nicht gibt. Zum Beispiel Rettiche, die aussehen wie kleine Wassermelonen. Das sind keine neuen, hochgezüchteten Sorten, sondern einfach alte Sorten, die wieder entdeckt wurden. Das finde ich spannend.

Großmutter macht Suppennudeln
Mit 93 Jahren hat Frau Ziii's Oma reichlich Erfahrung in der Küche, Foto: Susanne Zimmel

Du bist auch Food Fotografin: Was macht das perfekte Food-Foto aus?

Der Star des Bildes ist das Essen! Es gibt einen Schmäh: Wenn man ein Loch in ein Blatt Papier schneidet und über ein Food-Foto legt, somit alles ringsherum ausgeblendet ist, und das Essen toll aussieht, ist es ein gutes Foto. Darum halte ich meine Fotos auch eher schlicht.

Wie findest du die Entwicklung, dass immer mehr Food Trends durch Instagram losgelöst werden?

Ich finde die Tendenz gut, sich wieder mit Essen zu beschäftigen. Es ist wichtig, dass wir eine Beziehung zu unserem Essen haben. Aber bei manchen Trends habe ich das Gefühl, es geht mehr um das Äußere als ums Essen. Avocado-Rosen finde ich ja auch toll finde – Rainbow-Cake brauche ich dagegen nicht.

Was ist denn dein aktuelles Lieblingsgericht?

Hühnersuppe mit Nudeln! Ich esse einfach total gerne Suppe. Passt zwar nicht zum Sommer – aber die Nudeln von meiner Oma gehen einfach immer. Keiner macht Suppennudeln so gut wie sie.

Text: Jannah Fischer

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