Dieses eine griechische Olivenöl taucht jetzt überall auf – das ist der Grund
Vom preisgekrönten Spitzenöl zur nachhaltigen Innovation: Bastian Jordan bringt sein Olivenöl jetzt in die Papierflasche – wir haben den Olivenbauern zur Idee und der besonderen Qualität seines Öls befragt.
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Seit 1989 bewirtschaftet die Familie Jordan ihre eigenen Olivenhaine auf der griechischen Insel Lesbos. Ihr Olivenöl gehört regelmäßig zu den Besten weltweit, wurde über 200 Mal prämiert. Ob in der Spitzengastronomie oder bei Foodies – Genießer auf der ganzen Welt schätzen den besonderen Geschmack des Jordan-Öls. Nun setzt das Familienunternehmen ein Zeichen für Nachhaltigkeit: Ihr hochwertiges Öl gibt es jetzt in der Papierflasche.
Vielleicht hast du sie im Regal deines Supermarktes schon entdeckt
Die innovative Papierflasche besteht zu 94 Prozent aus recyceltem Karton. Im Inneren schützt ein hauchdünner, recyclingfähiger Schlauch aus Monomaterial das Öl. Dank des eigens entwickelten Ausgießers landet jeder Tropfen im Salat – und nicht daneben. Mit gerade einmal 83 Gramm ist die Verpackung ein echtes Leichtgewicht; zum Vergleich: Eine klassische Glasflasche wiegt 440 Gramm. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Der CO₂-Ausstoß reduziert sich um beeindruckende 84 Prozent. Nettes Plus: Auch das Schleppen der schweren Glasflasche im Einkaufskorb fällt mit der Papieralternative weg.
Doch nun genug von Zahlen und Fakten! Wir haben mit Olivenbauer Bastian Jordan gesprochen und ihn nach dem Geheimnis seines besonderen Olivenöls gefragt. Außerdem hat er uns verraten, ob er Olivenöl zum Braten benutzt, wie er mit Olivenöl kocht und ein paar Tipps, woran man ein gutes Olivenöl erkennt, gibt uns der Profi auch noch mit!
Wie kam es zu der Idee Olivenöl in Papierflaschen anzubieten?
Bastian Jordan: Olivenöl an sich ist bereits klimapositiv. Trotzdem bleibt natürlich ein gewisser CO₂-Verbrauch durch Transport, durch Verpackung, durch logistische Prozesse. Auch wenn die Gesamtbilanz positiv ist, haben wir uns gefragt: Was können wir noch besser machen? Wo können wir weiter reduzieren?
Anfang 2022 habe ich zum ersten Mal von dieser Papierflasche gehört. Ursprünglich war sie für Wein gedacht. Ich fand die Idee sofort spannend und habe gesehen, dass bereits jemand versuchte, auch Olivenöl darin abzufüllen.
Allerdings waren für mich damals noch viele Punkte nicht überzeugend. Es gab zum Beispiel keinen Ausgießer, nur eine Öffnung wie bei einer Weinflasche. Für Olivenöl ist das unpraktisch. Außerdem bestand die Innenbeschichtung zunächst aus einem Kunststoff-Mix, also keinem Monomaterial. Für ein sinnvolles Recycling braucht man aber genau das: Pappe plus ein klar definierter Kunststoff.
Dann war da noch der Aluminiumdeckel: ein drittes Material, das den Recyclingprozess erschwert. Und die Flasche war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht speziell für Olivenöl getestet.
Schritt für Schritt wurden diese Probleme gelöst: Es gab schließlich ein Monomaterial für die Innenbeschichtung, für den Deckel haben wir einen Hersteller gefunden, der einen biologisch abbaubaren Biokunststoffdeckel entwickeln konnte. Damit war das Aluminium-Problem gelöst.
Der Ausgießer hat uns am meisten Arbeit gekostet.
Für die Sondergröße der Flasche gab es keine passende Lösung, die Mindestmengen der Hersteller waren für uns unrealistisch, also haben wir das Thema erst einmal vertagt.
Aber es ließ mich nicht los. Schließlich fanden wir jemanden, der bereit war, es mit uns zu entwickeln. Acht Prototypen später hatten wir die richtige Lösung.
Der Prozess hat gezeigt, wie viel Detailarbeit selbst in so einem kleinen Bauteil steckt.
Hat die nachhaltige Papierverpackung Auswirkung auf Geschmack oder Haltbarkeit?
Bastian Jordan: Nein, überhaupt nicht – zum Glück ist das umfassend getestet. Das war natürlich eine der ersten Fragen, die wir uns selbst gestellt haben.
Tatsächlich hat die Papierflasche sogar eher einen positiven Effekt. Zum einen kommt kein Licht an das Öl. Selbst bei dunklen Glasflaschen dringt immer noch Restlicht durch, und Licht ist bekanntlich einer der größten Feinde von Olivenöl.
Zum anderen sorgt das flexible Kunststoff-Inlay im Inneren dafür, dass beim Ausgießen weniger Luft in der Verpackung bleibt, was die Oxidation reduziert.
Unterm Strich heißt das: Geschmack und Qualität bleiben mindestens genauso gut erhalten – wenn nicht sogar besser.
Der „Faktor Mensch“ spielt eine große Rolle

Bastian Jordan: Am Ende stehen hinter allem Menschen – wir selbst als Olivenbauern und mittlerweile knapp 400 Olivenbauernfamilien, mit denen wir zusammenarbeiten.
Auf Lesbos gibt es rund 19.000 Kleinbauernfamilien, viele besitzen nur einige wenige Bäume. Historisch gesehen wurde das Olivenöl der Insel größtenteils verkauft, zum Beispiel nach Italien. Dort wurde es erfolgreich vermarktet – oft unter anderem Namen. Das Problem: Wenn Italien selbst eine gute Ernte hatte oder günstigeres Öl aus Spanien bekam, sank die Nachfrage nach dem Öl aus Lesbos drastisch.
Das führte dazu, dass sich die harte Arbeit für viele Familien nicht mehr lohnte. Die Motivation sank, gerade bei der jüngeren Generation. Uns war klar: Es ist zu schade um diese jahrhundertealte Tradition, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen verloren geht.
Der Auslöser war tatsächlich ein Zeitungsartikel, den mein Großvater, ein Bayer, der nach Griechenland ausgewandert ist, gelesen hat. Wir haben lange darüber gesprochen und überlegt, wie man die Situation verbessern könnte.
Damals haben wir das Öl nur für den Eigenbedarf produziert. Doch wir haben gemerkt: Das Öl von Lesbos braucht eine eigene Identität. Es darf nicht länger anonym weiterverkauft werden.
Gleichzeitig war uns klar: Man kann nicht einfach auf die Insel kommen und sagen, wir machen das jetzt anders. Das funktioniert nicht. Wir mussten zuerst verstehen, wie alles vor Ort funktioniert, und vor allem die Menschen überzeugen und einbinden.
Heute sind die Menschen vor Ort stolz darauf, Teil dieser Marke zu sein. Sie stehen hinter dem Produkt und ziehen mit.
Dieser Stolz, diese Identifikation: das ist vielleicht der wichtigste Qualitätsfaktor überhaupt. Denn ein außergewöhnliches Olivenöl entsteht nicht nur durch Technik oder Sorten, sondern durch Menschen, die mit Leidenschaft dahinterstehen.
Die Basis unseres Geschmacks liegt vor allem in den Olivensorten, mit denen wir arbeiten. Auf Lesbos wachsen hauptsächlich zwei Sorten, die es nur dort gibt.
Diese Olivensorten geben unserem Öl eine ganz eigene geschmackliche Grundlage. Ähnlich wie beim Wein, bei dem die Rebsorte entscheidend ist. Weltweit gibt es unzählige Olivensorten, und jede bringt ihre eigene Aromatik mit. Unsere besondere Kombination ist also schon einmal ein wichtiger Faktor.
Selbst innerhalb Griechenlands gibt es große Unterschiede. Lesbos ist eine Insel und liegt zudem etwas nördlicher. Im Schnitt ist es dort etwa fünf Grad kühler als in vielen anderen Olivenregionen. Das beeinflusst die Reifung der Oliven enorm.
Auf dem griechischen Festland, etwa auf dem Peloponnes, der größten Olivenregion des Landes, entstehen häufig deutlich kräftigere, schwerere Öle mit sehr intensiver Aromatik. Dort sind die Polyphenolwerte teilweise extrem hoch.
„Polyphenole sind wertvolle, gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe im Olivenöl. Das ist grundsätzlich etwas Positives. Allerdings gilt auch: Je höher der Polyphenolgehalt, desto bitterer und schärfer wird das Öl. Manchmal ist es so intensiv, dass es fast zu dominant wirkt.
Auf Lesbos sind die Polyphenolwerte hoch genug, um gesundheitlich relevant zu sein, aber nicht so extrem, dass das Öl unangenehm bitter wird. Das Ergebnis ist ein sehr ausgewogenes Öl: aromatisch, kernig, aber nicht überwältigend.“
Natürlich gibt es Olivenöl-Puristen, die genau diese extreme Intensität suchen. Doch in der Alltagsküche und auch in der Gastronomie möchte man in der Regel kein Öl, das jedes Gericht dominiert. Wenn man etwa einen Heilbutt in Olivenöl konfiert, soll am Ende noch der Fisch schmecken und nicht nur das Öl.
Ein gutes Olivenöl unterstützt ein Gericht, es überdeckt es nicht. Und genau dieses Gleichgewicht spiegelt uns auch die Gastronomie immer wieder zurück.
Woran erkennt man im Supermarkt wirklich gutes Olivenöl?
Bastian Jordan: Idealerweise würde man Olivenöl natürlich probieren, aber das geht im Supermarkt nicht. Deshalb sollte man sich die Verpackung sehr genau anschauen.
Ein wichtiger Punkt ist Transparenz: Woher kommen die Oliven genau? Welche Sorte ist enthalten? Gibt es ein konkretes Erntejahr? Wer ist der Produzent?
Bezeichnungen wie „Mischung aus der EU“ oder einfach nur „Produkt aus Italien“ sind eher allgemein gehalten. Das ist zumindest ein Hinweis auf das Ursprungsland, aber nicht unbedingt auf eine konkrete Region oder einen bestimmten Produzenten.
Je genauer die Angaben, desto besser. Wenn eine bestimmte Olivensorte genannt wird, eine klare Herkunftsregion und idealerweise sogar der Name der Ölmühle oder des Produzenten, spricht das für Qualität und Rückverfolgbarkeit.
Transparenz ist ein starkes Qualitätsmerkmal. Wenn ich weiß, wer hinter einem Produkt steht und im besten Fall sogar direkten Kontakt aufnehmen kann, schafft das Vertrauen. Bei Lebensmitteln ist das keine Selbstverständlichkeit.
Und genau das sollte ein gutes Olivenöl leisten: Herkunft zeigen und nachvollziehbar sein.
Stehst du eigentlich selbst gern in der Küche? Hast du ein Lieblingsrezept mit Olivenöl?
Bastian Jordan: Ich koche schon, aber es gibt definitiv viele Menschen, die das besser können als ich. Ein konkretes Lieblingsrezept habe ich ehrlich gesagt gar nicht. Für mich ist eher die Vielseitigkeit das Faszinierende: Du kannst Olivenöl fast überall einsetzen.
Und ich bin da auch nicht dogmatisch: manchmal gehört einfach ein Stück Butter dazu, um ein Gericht perfekt zu machen. Aber wenn man bei so grundlegenden Zutaten wie Olivenöl oder Essig auf Qualität achtet, ist der Unterschied im Ergebnis viel größer, als die meisten denken.
Das merkt man besonders bei ganz einfachen Gerichten. Probier zum Beispiel mal Erdbeeren mit etwas gutem Olivenöl und einer Prise Meersalz. Das klingt ungewöhnlich, aber es ist unglaublich gut.
Oder nimm Ofenpaprika mit Knoblauch: Wenn du sie mit hochwertigem Olivenöl und gutem Essig marinierst und über Nacht ziehen lässt, entsteht ein ganz anderes Aroma. Der Unterschied ist wirklich enorm. Gerade bei Gerichten, bei denen Öl und Essig eine Hauptrolle spielen, schmeckt man Qualität sofort.
Wichtige Frage: Mit Olivenöl braten – oder lieber nicht?
Bastian Jordan: Unbedingt! Das ist tatsächlich meine Lieblingsfrage. Man kann – und sollte – mit Olivenöl braten, auch mit kaltgepresstem, nativem Olivenöl extra.
Je hochwertiger das Öl, desto mehr stabile Begleitstoffe sind enthalten, die es hitzebeständig machen. Olivenöl gehört zu den hitzestabilsten Fetten überhaupt. Natürlich gibt es auch andere Fette, mit denen man gut braten kann, und auch Butter hat beim Dünsten ihre Berechtigung – aber sie wird bei zu starker Hitze schnell braun und bitter.
Olivenöl hat einen vergleichsweise hohen Rauchpunkt und ist sehr stabil. Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, man dürfe es nicht erhitzen. Dabei ist das keine Geschmacks- oder Glaubensfrage, sondern eine wissenschaftliche.
Natürlich werden hitzeempfindliche Vitamine beim Erhitzen zerstört – das gilt aber für jedes Öl. Das heißt jedoch nicht, dass das Fett instabil oder schädlich wird. Es geht um die chemische Stabilität der Fettsäuren – und die ist bei Olivenöl sehr hoch.
Theoretisch könnten bei wiederholtem, starkem Erhitzen, wie beim mehrmaligen Frittieren im selben Öl, unerwünschte Abbauprodukte entstehen. Aber das gilt grundsätzlich für viele Fette. Im normalen Küchenalltag ist Olivenöl absolut geeignet und sicher zum Braten.
Was hältst du von dem Trend Olivenöl in Squeeze-Bottles aus Plastik zu verpacken?
Bastian Jordan: Das kommt vor allem aus den USA. Da gibt es eine Firma, die damit extrem erfolgreich geworden ist. Gefühlt hatte jeder Influencer in Amerika irgendwann so eine Flasche in der Hand.
Vom Praktischen her ist das allerdings kein neuer Trend. Köche arbeiten schon seit Jahren mit solchen Squeeze-Flaschen. In vielen Profiküchen wird Olivenöl einfach in diese Flaschen umgefüllt, weil sie handlich sind und sich gut dosieren lassen. Wenn du hierzulande Köche fragst, sagen die: „Das machen wir doch schon ewig.“
Mich haben auch schon viele gefragt, ob wir so etwas nicht anbieten wollen. Und natürlich – rein praktisch ist das total nachvollziehbar. Aber es passt einfach nicht zu unserem Mindset.
Weil es aus unserer Sicht keinen Sinn ergibt, auf Kunststoff zu setzen. Vor allem aus Nachhaltigkeitsgründen.
Als ich vor zwei Jahren in den USA war, habe ich mir die Produkte auch selbst angeschaut. Ich stand im Supermarkt, hatte die Flasche in der Hand und dachte: Klar, das ist cool gemacht. Aber für uns? Nein. Wir waren da längst auf dem Weg zur Papierflasche.
Ich habe einfach keinen echten Mehrwert gesehen – außer dem praktischen Handling. Und offenbar gab es auch Kritik, denn die Marke aus den USA bietet inzwischen zusätzlich Glasflaschen an.
Lebensmittel sollen wieder die Bedeutung bekommen, die sie verdienen
Bastian Jordan: Obwohl das Thema Verpackung wichtig ist, geht es am Ende um etwas viel Größeres: darum, dass wir uns bewusster mit Lebensmitteln auseinandersetzen.
Ich bin zum Beispiel Mitglied bei Freaks to Table. Das ist eine Manufaktur-Vereinigung. Entstanden ist sie ursprünglich aus einer kleinen Initiative, die wir zu dritt gegründet haben. Ich bin bis heute Mitglied und war vor einigen Jahren sogar Präsident des Vereins. Irgendwann habe ich mich etwas zurückgezogen, weil viele jüngere, neue Mitglieder dazugekommen sind – und ich fand es gut, Verantwortung weiterzugeben.
Mir ist aber nach wie vor wichtig, dass sich diese Idee weiterverbreitet. Auch wenn es im Moment noch ein zartes Pflänzchen ist. Wenn du 100 Menschen fragst, kennen es wahrscheinlich 98 nicht.
Aber genau darum geht es: dass Lebensmittel wieder die Bedeutung bekommen, die sie eigentlich verdienen. Sie sind ein elementarer Bestandteil unseres Lebens – unserer Gesellschaft, unseres Planeten. Ernährung beeinflusst das Klima, unsere Gesundheit, unser tägliches Wohlbefinden. Eigentlich alles, von morgens bis abends.
Und trotzdem wird dieses Thema häufig zu klein gedacht.
Das ist eine Grundbotschaft, die sich durch alles zieht, was wir machen. Im Hinterkopf steht immer die Frage: Wie können wir bewusster mit Lebensmitteln umgehen?
Wir wollen zeigen, wo Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden, welchen Wert sie haben – und warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen.













